Tours

„Sagt ihnen, dass ihr hier wart – und überlebt habt!“

Seit nunmehr einem Monat lebe und arbeite ich im 17 on Loader Guest House. Viele der schönen Seiten Kapstadts habe ich bereits kennen lernen dürfen – von Tafelberg bis Kaphalbinsel, vom Studentenleben Stellenboschs bis zum pulsierenden Leben der Waterfront. Doch es gibt auch eine andere Seite der Stadt; eine weniger reiche, weniger touristische – die der Townships. Ich wollte kennen lernen, was sich hinter diesem Begriff verbirgt. Wie alle anderen Touristen auch, wusste ich nicht viel mehr über sie, als dass sie als die „Ghettos“ Kapstadts gelten, gefährlich sind und von Hoffnungslosigkeit und Gewalt durchzogen sind.

Mit einer 8-köpfigen Gruppe, auf wunderbare Weise organisiert vom Veranstaltungsanbieter African Eagle, machte ich mich in einem Mini-Bus auf den Weg zu einer „Township-Tour“.

Auf dem Programm stand der Besuch der Townships „Langa“ (Kapstadts ältestes Township) und Khayelitsha (Kapstadts größtes Township).

Das für mich Besondere an der Tour war, dass sie nie in bloßes „Sightseeing“ oder „Zoobesuch-Feeling“ ausartete, wo ich vorher etwas Angst hatte. Wesentlichen Anteil daran hatte unser Fahrer und Tourleiter, der – selbst im Township aufgewachsen – immer wieder mit den Bewohnern kommunizierte, scherzte und diskutierte. So half er, ganz natürlich, auch unsere Scheu und Distanz zu brechen.

Ich empfand es als eine Ehre, in beiden Townships in die Privaträume einiger Bewohner eintreten zu dürfen. Zu erleben, wie viele Menschen dort auf engstem Raum leben, ist beeindruckend.

Stück für Stück entstand in mir so ein neues Bild vom Leben in den Townships: Ja, es gibt Probleme – insbesondere durch Aids, Alkohol und Gewalt und ja, von privaten, ungeleiteten Touren in die Townships sollten Touristen die Finger lassen, ABER:

Entgegen den üblichen Vorurteilen bestehen längst nicht alle Gebäude nur aus Wellblech und Pappe. Viele Baracken werden inzwischen sogar kontinuierlich renoviert, um die Lebensbedingungen zu verbessern. Schließlich finden sich sogar toppmoderne Einfamilienhäuser, deren Bewohnern der Aufstieg durch Bildung gelungen ist.

Es gibt relativ viele Schulen und fast alle Kinder gehen wenigstens teilweise dorthin. Eine gewisse Grundinfrastruktur ist gewährleistet und wer glaubt, dass gerade junge Menschen die Townships so schnell wie möglich verlassen wöllten, hat sich auch getäuscht.

Mut spenden Projekte wie die von Vicky Ntozini. Mitten in Khayelitsha hat sie, allen Unkenrufen zum Trotz, ein kleines Guest House aufgebaut, das Bed&Breakfast anbietet und abenteuerlustige internationale Gäste anzieht.

So kehrte ich von meiner Tour zurück mit einem wesentlich differenzierteren Eindruck von einem Township. Dabei ist es eigentlich falsch von den Townships zu reden. Dieses Über-einen-Kamm-Scheren wird ihrem tatsächlichen, vielfältigen Charakter nicht gerecht. Die Bewohner der Townships wünschen sich letztlich das gleiche wie alle ihre Kapstädter Nachbarn: Gleichberechtigt als Mit-Bürger anerkannt und akzeptiert zu werden. So entließ uns Vicky Ntozini mit den vielsagenden Worten: „Sagt den Menschen da draußen, dass ihr hier wart – und überlebt habt!“

Trackbacks

  1. [...] und den USA in das Armenviertel bei Kapstadt, um in ihrer Hü (nicht auf dem neuestens Stand) „Sagt ihnen, dass ihr hier wart – und überlebt habt!“ Township enterprise | Travel | The Guardian Sunday Independent Weihnachtsspendenaktion für [...]

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